Hilft Hypnose bei Ängsten und Panikattacken?

Kann man mithilfe von Hypnose Ängste, Phobien oder Panikattacken loswerden? Eine interessante Frage, denn einige Angstgeplagte beklagen, dass sie nach 10 Sitzungen keine wesentliche Besserung spüren, andere berichten begeistert, dass ihre Angst nach ein bis zwei Sitzungen komplett verschwunden sei. Woran liegt das?

Angst und Panik besiegen mithilfe von Hypnose – wie geht das?

Was die wenigsten wissen, ist, dass es in der Hypnosetherapie zwei grundsätzlich verschiedene Richtungen gibt.

Milton Erickson – Meister der hypnotischen Sprachmuster

Die eine „Schule“ geht zurück auf Milton Erickson, einen einflussreichen Hypnotiseur und Sprachmagier, der „hypnotische Sprachmuster“ lehrte, die so verworren und verschachtelt sind, dass das Bewusstsein irgendwann abschaltet, weil es nicht mehr folgen kann. Dann sollen die Suggestionen, die Botschaften des Hypnotiseurs ungehindert ins Unterbewusstsein dringen. Aber ist dem wirklich so?

Hypnose wirkt, das ist in zahlreichen Studien belegt. Aber sind kryptische Suggestionen wirklich die effektivste Vorgehensweise, um eine Angst aus dem Unterbewusstsein aufzulösen?

Wenn ein Hypnotiseur 10 Sitzungen vorschlägt, um eine Angst zu behandeln und wenn er ein Meister des unklaren Schachtelsatzes ist, wenn man während der Sitzungen nur passiv im Sessel sitzt und zuhört und kaum selber spricht, dann hat man es wahrscheinlich mit einem Hypnosetherapeuten Milton Ericksonscher Prägung zu tun.

Dave Elman – Heile die Ursache

Die Erfolgschancen, eine Angst ein für allemal auszulöschen sind auf jeden Fall höher, wenn der Therapeut 1 bis 2 Sitzungen ansetzt. Denn in diesem Fall ist es tatsächlich so: In der Kürze liegt die Würze.

Warum? Wenn ein Therapeut eine Angst innerhalb einer Sitzung auflösen kann, dann darum, weil er direkt und ohne Umwege zum Kern des Problems vordringt. Und das ist die Ursache der Angst. Der Moment des Entstehens. Alle weiteren späteren Angstattacken sind darauf zurückzuführen, dass unser Gehirn meint, eine Situation wiederzuerkennen, die der damaligen Situation der ersten Angst ähnelt. Unser Gehirn arbeitet sehr effektiv darin, Ähnlichkeiten festzustellen. Bei einer Angststörung wird genau das zum Problem.

Diese zweite Schule der Hypnotherapie geht zurück auf Dave Elman, einen bekannten amerikanischen Hypnotiseur, der Mitte des letzten Jahrhunderts zahlreiche Ärzte in Hypnose ausbildete. Die meisten Hypnotherapeuten weltweit verwenden heute noch die Dave-Elman-Induktion zum Einleiten der Hypnose. Dave Elman spricht während der Sitzung die ganze Zeit mit dem Klienten, der ihm antwortet. Es ist also ein Zwiegespräch. Es ist richtige therapeutische Arbeit.

Das Kernstück dieser Hypnose ist die Regression.

Was ist Regressionshypnose?

Bei einer Regression leitet der Hypnosetherapeut das Unterbewusstsein des Klienten an, direkt zur Ursache des Problems zurückzukehren. Im Unterbewusstsein sind alle Erlebnisse des Lebens gespeichert, auch wenn man sich bewusst nicht mehr daran erinnert. Das Unterbewusstsein kennt also auch die Ursache einer Angst. Beziehungsweise es weiß genau, wann dieses Angstgefühl das erste Mal aufgetreten ist.

Wenn die Ursache gefunden ist, kann sie sofort durch eine Art „Innere Kind Arbeit“ entkräftet werden: Das erwachsene Ich erklärt dem jüngeren Ich die damalige Situation und warum es keine Angst haben muss. Das Ergebnis stellt sich sofort ein und ist verblüffend: Wenn die richtigen Schlüsselszenen gefunden und verarbeitet wurden, ist die Angst nach der Sitzung meist komplett verschwunden.

Memory Reconsolidation: Warum das funktioniert!

Warum das so gut funktioniert, dafür liefert der neurowissenschaftliche Effekt der „memory reconsolidation“ die Erklärung. Neurowissenschaftler haben vor 20 Jahren herausgefunden, dass sich ein abgespeichertes emotionales Erlebnis noch einmal nachbearbeiten bzw. neuverarbeiten lässt, indem man es zunächst geistig aufruft und dann hinterfragt und neu bewertet.

Ruft man ein belastendes Erlebnis noch einmal mental auf (und das geschieht bei der Regression zur Ursache), und fügt man dann neue Aspekte zu dem alten Erlebnis hinzu (das geschieht bei der inneren Kind Arbeit), dann verändern sich die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn und das Erlebnis wird neu (ohne emotionale Belastung) abgespeichert. Die Angst ist verschwunden.

Diese Veränderungen sind permanent.

Spannend dabei ist: Das, was man für die Ursache seiner Angst hält, ist meistens nicht die tatsächliche Ursache!

Wer also darüber nachdenkt, seine Ängste oder Panikattacken mithilfe von Hypnose in den Griff zu bekommen, der sollte darauf achten, ob die Hypnosetherapeutin/der Hypnosetherapeut mit Regression arbeitet.

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